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Tagesanzeiger - Bericht vom 26.09.2009

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Sind Messer des Teufels? Manchmal ja, manchmal nein

Von René Staubli. Aktualisiert am 26.09.2009

Im Zürcher Nachtleben häufen sich die Messerstechereien. Doch für Patrick Good, Miriam Burlet und Frank Kollbrunner ist das Messer – von dem sie leben – um einiges besser als sein Ruf.

Scharfe Messer für Kochschulen, Spitäler und Restaurants: Patrick Good an der Schleifmaschine in seiner Werkstatt.
Bild: Beat Marti


Frank Kollbrunner und Miriam Burlet verkaufen Liebhabern edle Klingen. (Bild: Beat Marti)

Die Zürcher Stadtpolizei ist beunruhigt. Sie stellt fest, dass im Ausgang vermehrt Personen mit Messern unterwegs sind, vor allem nach Mitternacht. Junge Männer, oft aus dem Balkan, sehen in der Bewaffnung eine Chance zur persönlichen Profilierung. In jüngster Zeit häufen sich Messerstechereien mit übelsten Folgen. Zuletzt im Niederdorf, wo kürzlich ein Rumäne niedergestochen und schwer verletzt wurde.

Messer kann man überall kaufen; der Markt ist nicht zu kontrollieren. Ricardo und Ebay versteigern sogar welche, die in der Schweiz verboten sind. Warenhäuser bieten ganze Sortimente von Küchenmessern mit gefährlichen Klingen an – sie gehören zu den beliebtesten Tatwaffen.

«Vielleicht braucht man ja mal eins. . .»

Auf manche Leute üben Messer eine grosse Faszination aus. «Ich möchte mir ein Einsteigermesser kaufen, es reizt mich irgendwie», schrieb kürzlich einer im «Messerforum» im Internet und begründete sein Verlangen so: «Die Dinger sind wunderbare Handschmeichler in der Hosentasche. Wer weiss, vielleicht braucht man mal ein Messer . . .»

An dieses erlebnisorientierte Publikum wendet sich der Amerikaner Marc «Animal» MacYoung. Sein ins Deutsche übersetzte Buch «Messer, Messerkämpfe & ähnliche Zwischenfälle» spricht Männer an, welche sich «gegen unanständige Überraschungen in Kneipen und auf der Strasse» wappnen wollen. Originalton MacYoung: «Du lässt eines von diesen Scheissdingern mitten in einer Menge von Zivilisten aufschnappen, blickst hinterlistig, aalglatt und böse umher, während du es aufblitzen lässt, und du wirst hören, wie im Umkreis von mehreren Metern die Arschlöcher zugekniffen werden. Ich meine, wenn du drauf aus bist, die Leute zu beeindrucken, gibt es nichts Besseres.»

Mit solchen Typen können Patrick Good, Frank Kollbrunner und Miriam Burlet nichts anfangen. Zwar steht auch für sie das Messer im Zentrum, aber nicht als Waffe, sondern als Erwerbsquelle. Sie leben davon, dass die Nachfrage nach Klingen stetig zunimmt. Mit ganz unterschiedlichen Mitteln führen sie eine Familientradition weiter, die 1955 im Zürcher Seefeld begann.

Handgemachte Messer: Ein Luxus

Damals richtete Hans Good, heute 78, an der Zollikerstrasse die Werkstatt ein, in welcher sein Sohn Patrick noch heute an der alten Schleifmaschine steht. Der Vater war Schlosser von Beruf. Er schliff Messer für Restaurants und Private und schweisste Bandsägen für Metzger und Schreiner. Die Messer holte er selber an den Haustüren ab. Damals nannte man solche Leute Hausierer.

Die goodsche Messerdynastie

Der Sohn stieg vor 20 Jahren ein, nach der Lehre als Messerschmied. Allerdings ist Patrick Good die schönste Seite seines Handwerks – das Schmieden – abhandengekommen. Ein handgemachtes Messer würde 500 Franken kosten, industriell gefertigt ist es für 35 Franken in jedem Geschäft zu haben. «Da kann man nicht mehr mithalten, auch wenn der Qualitätsunterschied riesig ist», bedauert Good.

Statt sie anzufertigen, schleift er deshalb Messer für 7 bis 10 Franken pro Stück wie weiland der Vater: im Auftrag der Kochschule von Betty Bossi zum Beispiel oder für Spitäler und Restaurants. Daneben revidiert Good Werkzeuge, Rasenmäher und Kettensägen. «Eigentlich bin ich eher Mechaniker als Messerschmied», sagt er mit leiser Wehmut.

Immerhin hilft Good ein bemerkenswerter Trend. Die verschlechterte Wirtschaftslage habe dazu geführt, «dass die Leute ihre stumpfen Messer nicht mehr wegwerfen, sondern sie zum Schleifen bringen». Kürzlich habe ein Kunde ein altes Rasiermesser schärfen lassen: «Der Mann hatte seine elektrische Maschine satt.» Good profitiert aber nicht nur von der höheren Nachfrage in seiner engeren Umgebung – dank familiärer Beziehungen hat ihm das Internet zusätzliche Einnahmequellen eröffnet.

Zur goodschen Messerdynastie gehört nämlich auch Miriam Burlet. Die Nichte von Patrick Good lebt in Siebnen SZ und interessiert sich für die Kombination von Handwerk und moderner Technologie. Zunächst betrieb sie mit ihrem Partner, Frank Kollbrunner, die Website Schwertshop.ch, wo man Samurai- und Ninjaschwerter kaufen kann. Die Lieferanten sitzen in Tschechien – einem Land mit grosser Schmiedetradition.

Eines Tages beschloss der Familienrat, das Schwertgeschäft um eine Dimension zu erweitern. So entstand Der-Messershop.ch, eine archaisch anmutende Seite, auf welcher unter anderem Anglermesser, Bajonette, Bowie-Messer, furchteinflössende Fantasymesser, Kampfmesser, Rasiermesser und Überlebensmesser angeboten werden. Zur Nachfrage sagt Kollbrunner nur so viel: «Ein Tag unter 1000 Franken Umsatz ist ein schlechter Tag.»

Verbrecher brauchen Küchenmesser

Die besten Umsatztreiber sind Filme wie «The Lord of the Rings», «Rambo» oder «Conan, der Barbar», wo exotische Messer zum Einsatz kommen, welche die eingefleischten Sammler ganz einfach haben müssen. Noch grössere Renner sind derzeit allerdings die sogenannten Einhandmesser, welche so heissen, weil man sie einhändig öffnen kann. Seit Ende 2008 gelten solche Klingen laut Gesetz nicht mehr als Waffen und können frei erworben werden. Das neue «Messer 2009» der Schweizer Armee von Victorinox gehört ebenfalls zu dieser Gattung.

Kollbrunner führt den steigenden Absatz nicht darauf zurück, dass Einhandmesser auch als Waffen taugen. Das seien praktische Werkzeuge für den Alltag – und überhaupt: «Wenn Messer bei Verbrechen eingesetzt werden, handelt es sich meist um gewöhnliche Küchenmesser.»

Seine besten Kunden sind Sammler, welche es auf limitierte Editionen abgesehen haben. Etliche sehen in seltenen Messern sogar eine Wertanlage. Andere rüsten sich für Abenteuerferien im Wald mit Survival-Messern aus. Kollbrunner selber ist fasziniert von der Geschichte des Messers: «Es ist das erste Werkzeug des Menschen.» Und von dessen Herstellung: «Gute Handwerker machen aus einem Stück Eisen ein schönes Messer, Dilettanten machen daraus einen Nagel.»

Hier schliesst sich der Kreis zwischen Siebnen und Zürich. Die Kunden von Kollbrunner und Burlet lassen ihre Messer in der Werkstatt von Patrick Good schleifen. Dieser hofft, dass die Nachfrage nach handgeschmiedeten Qualitätsmessern zunimmt, wenn man sie im Internet anpreist. Ein Kundenkreis im World Wide Web würde es ihm erlauben, schon bald wieder als Messerschmied statt als Messerschleifer zu arbeiten.

Dass sich Jugendliche für den Ausgang bewaffnen, werten Kollbrunner, Good und Burlet als «Cliquensyndrom». Ihnen tun «Leute leid, welche sich in der Gruppe mit Messern aufspielen oder gar andere damit angreifen». Der Messershop liefert nur, wenn der Besteller seinen Namen, sein Alter und seine Adresse offenlegt. Unter 18-Jährige werden nicht bedient, und die Daten der Kunden bleiben gespeichert – für den Fall, dass sich die Polizei für einen Messerhelden interessiert.

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